Papst Franziskus (1936–2025) - Ein Hirte bis zuletzt

Franziskus - winkend (Foto: Oliver Quilab)

Am Ostermontag, dem 21. April 2025, verstarb Papst Franziskus friedlich um 7:35 Uhr in der Vatikanstadt im Alter von 88 Jahren, nach einem längeren Kampf gegen eine doppelseitige Lungenentzündung und andere gesundheitliche Komplikationen.

Selbst in seinen letzten Tagen blieb er ein Hirte mit Herz. Am Gründonnerstag besuchte er trotz körperlicher Schwäche das römische Gefängnis Regina Coeli, um den Inhaftierten Trost und Hoffnung zu spenden – eine Geste der Barmherzigkeit, die sein Pontifikat zutiefst prägte. Und am Ostersonntag trat er ein letztes Mal auf den Balkon des Petersdoms, um der Welt den Segen „Urbi et Orbi“ zu erteilen – schwach, aber leuchtend, ein stilles Zeichen des Friedens für eine verletzte Welt, die er innig liebte.

Geboren als Jorge Mario Bergoglio im Jahr 1936 in Buenos Aires, Argentinien, wurde er 2013 zum 266. Papst der römisch-katholischen Kirche gewählt – der erste Jesuit, der erste Papst aus Lateinamerika und der erste mit dem Namen Franziskus, in Anlehnung an den Heiligen aus Assisi. Schon mit seiner Namenswahl deutete er an, worum es ihm ging: Eine Kirche, die zuhört, bevor sie spricht; die mit den Verwundeten geht; die sich zu den Armen bekennt.

Sein Vermächtnis ist weitreichend – und dabei von schlichter Tiefe. Franziskus stellte Barmherzigkeit vor das Urteil, verlieh den Vergessenen und Ausgegrenzten eine Stimme, und rief die Menschheit zu einer tieferen Verantwortung für die Schöpfung auf. Mit einem Herzen voller Demut und einer Stimme, die den Ruf des Evangeliums nach Gerechtigkeit verkörperte, wurde er weltweit zum moralischen Gewissen – auch über die Grenzen der Kirche hinaus.

Franziskus lebte die Nähe. Er verzichtete auf viele äußere Zeichen päpstlicher Macht und bezog stattdessen eine einfache Wohnung im Domus Sanctae Marthae, nicht in den prunkvollen Gemächern des Apostolischen Palasts. Seine Einfachheit war kein Stilmittel – sie war Überzeugung. Die Kirche verstand er als Feldlazarett, nicht als Zitadelle.

Er öffnete Türen. Er ernannte Frauen zu vollwertigen Mitgliedern vatikanischer Leitungsgremien, zeigte sich in seiner Sprache wertschätzend gegenüber LGBTQ-Personen, und betonte, dass Menschen gesegnet werden können, selbst wenn ihre Lebensform nicht dem kirchlichen Ideal entspricht, solange es nicht im liturgischen Rahmen geschieht.

Er war ein scharfer Kritiker neoliberaler Wirtschaftspolitik, sprach eindringlich über Konsumismus, Überentwicklung und die Klimakrise, und erhob ökologische Umkehr zu einem Kernanliegen christlicher Verantwortung. Die Todesstrafe verurteilte er als grundsätzlich unvereinbar mit der Würde des Menschen. Im geopolitischen Bereich positionierte er sich gegen rechtspopulistische Strömungen, setzte sich für Flüchtlinge und Migranten ein und engagierte sich diplomatisch in Afrika, China und anderen Regionen – nicht um Macht zu sichern, sondern um Menschenwürde zu schützen.

In all dem blieb er sich treu: Macht verstand er als Dienst. Sein Pontifikat war nicht frei von Spannungen oder Kritik – aber selbst viele seiner Kritiker anerkannten seine Aufrichtigkeit, seine Tiefe, seine moralische Standfestigkeit.

Papst Franziskus hinterlässt eine Kirche, die sich ihrer weltweiten Sendung bewusster geworden ist – und eine Welt, die erfahren durfte, dass die Kirche zärtlich, prophetisch und menschlich sein kann.

Die Welt ist ärmer durch seinen Tod. Doch sein Geist lebt weiter – in jeder Geste der Barmherzigkeit, in jeder Brücke über Gräben, in jedem Menschen, der weiter hofft.

Danke, Papst Franziskus, dass du mit uns gegangen bist.

Nun ruhe – und geh mit Gott.
Oliver Quilab,
Bereitgestellt: 22.04.2025    
aktualisiert mit kirchenweb.ch