Impulse des Pfarrers

In unregelmässigen Abständen finden Sie hier Gedanken von Pfarrer Kurt Vogt zu aktuellen Themen oder Ereignissen.
2017
30.9.2017
Der Sommer verabschiedet sich in diesen Tagen und der Herbst hat in seiner Farbenpracht Einzug gehalten. Die Blätter fallen von den Bäumen und die Grundlagen eines jeden Baumes werden sichtbar: sein Stamm, seine Äste, seine Struktur.
Für mich sind diese Tage und Wochen immer wieder eine Zeit der Besinnung um Nachzudenken, was denn hinter dem Äusseren unseres Lebens immer wieder in der Struktur desselben steckt. Versteckt nicht manchmal die äussere Schönheit ein Manko oder eine Notwendigkeit der Veränderungen in den Strukturen und in den Verhaltensweisen? Lassen wir uns nicht zu sehr vom Äusseren blenden und beeinflussen statt in die Tiefe zu schauen?
Nach wie vor bin ich der Auffassung, dass wir gerade in unserer Kirche Vieles, sehr Vieles verändern müssen und etliche Strukturen überarbeiten, damit unsere Botschaft des Glaubens und der Liebe Gottes wieder zugänglicher wird.
Nehmen wir als einfache Darstellung die Frage der Priesterberufungen: wie viele sind zufrieden, wenn sie einen Priester in der Pfarrei haben - sich aber nicht mehr darum kümmern, dass nebenan keiner mehr ist. Wer ist sich bewusst, dass wir den Priestermangel in unserer schweizer Kirche seit Jahrzehnten überdecken? - Und wer wagt sich von unseren Verantwortlichen zu engagieren für die Frage, zu den Zulassungen zur Spendung der Sakramente?
Wie lassen wir uns ein auf die immer mehr wachsende Verschiedenheit in den jeweiligen Pfarreien durch immer mehr verschiedene Nationalitäten: die bestehenden Strukturen stehen lassen oder nicht was Neues versuchen? Im meiner Pfarrei leben mehr als 60 verschiedene Nationalitäten. Würden alle von einer je eigenen "Missione" betreut, wäre meine Pfarrei inexistent. Wir sind doch eine Pfarrei in der die Verschiedenheiten zum Tragen kommen sollen.
Wie sieht es aus mit unserer Ausbildung des Nachwuchses? Wird er für die Realitäten des Lebens ausgebildet oder für fiktive Gedankenspiele? Vermitteln wir Ihnen das Bewusstsein, dass sie im Dienst der Gläubigen und der Pfarreien stehen, die zu Orten einer glaubwürdigen christlichen Gemeinschaft werden sollen.
Die Äste der katholischen Kirche in der Welt werden durch Papst Franziskus immer mehr sichtbar gemacht und neu gepflegt, neu angeordnet - an einem Ort gestutzt und am anderen gefördert. So wie es sich für eine gute Baumpflege gehört. Und ich glaube die katholische Kirche Schweiz sollte ihm nachfolgen und dies auch tun: weg vom Dörfligeist oder Kantönligeist zum Geist der einen Kirche in der Vielfalt.

17.6.2017
Lange habe ich nichts mehr geschrieben. Irgendwie wollte ich die Bischofswahl abwarten - aber die findet ja nun im 2019 statt. Viele finden dies nicht gut, aber ehrlicherweise muss auch gesagt werden, dass die Antwort aus Rom schnell kam und Ostern 2019 als Endtermin definiert wurde (nunc pro tunc). Schade ist, dass Bischof Vitus Huonder das Schreiben von Rom nicht veröffentlicht hat. Viele Spekulationen hätten dann vermieden werden können.
Ja, und da stehen wir bei meinem Hauptthema heute: Spekulationen. Warum fördert die röm.kath. Kirche die Spekulationen und setzt mit klaren Informationen und Zeichen nicht einfach die Akzente und geht wieder voraus. Ja, lässt Spielraum wo es eigentlich gar keinen gibt sondern eine Sicherheit da wäre. Wie sieht denn dies aus:
Im Kanton Zürich
Wir im Kanton Zürich haben auch einiges zu verändern und neu zu strukturieren in unserer Kirche - und kaum jemand spricht davon. Aber es muss auch gesagt werden, denn der Mangel liegt nicht nur in Chur oder in Rom oder weiss ich wo. Wollen Sie Themen? Hier ein paar:
a. Verhältnis der Körperschaft der katholischen Kirche zum Generalvikariat
b. Stellung der Seelsorger in ihrer Arbeit und damit auch ihr Sendungsbewusstsein: Berufung, Beruf oder Job
c. Das Verhältnis von Missionen zu Pfarreien
d. Die aufgebaute Administration
e. Der SeelsorgerInnnen-Mangel: wie viele SeelsorgerInnen wollen wir noch importieren
f. Das Desaster mit dem Neubau der Paulusakademie
Ja, es gibt viel zu tun im Kanton Zürich und dazu braucht es Personen, die sich einsetzen und damit auch aussetzen. Sind diese Leute aber auch wirklich gewollt? Oder wollen wir nicht lieber Leute, die einen Schein darstellen, statt ein Sein?

in der Kirche Schweiz
a. warum keine gemeinsamen Stellungnahmen aller Bischöfe zu bestimmten Themen wie das Dokument des Papstes zur Familienpastoral
b. warum wird nicht klar ein Seelsorgermangel kommuniziert und dass man Lösungen sucht (und dies Problem nicht gelöst werden kann indem man einfach Seelsorger von überallher importiert)
c. Wie wird das Verhältnis der Missionen zu Pfarreien neu geregelt. Ist es logisch, dass wir bald soweit sind, dass die Italienermissionen nur ncoh von Nicht-Italienern geführt werden - dann können es auch die Schweizer Priester
d. die Bistumseinteilung: warum nicht endlich eine gemeinsame Lösung suchen, statt individuelle. Die Frage von Schaffhausen, Thurgau und Zürich muss doch gemeinsam gelöst werden

Persönlich hoffe ich auf Menschen, die ihr Sein einbringen und sich damit Aussetzen und Einsetzen.


18.1.2017
Im Jahre 2018 wird es eine Bischofssynode zur Jugendpastoral geben. Hierzu wurde in diesen Tagen ein Schreiben von Papst Franziskus veröffentlicht:
Brief des Papstes an die Jugendlichen zur Weltbischofssynode_Vorbereitungsdokument
Im März wird dann der entsprechende Fragebogen online gestellt, so dass sich alle an der Umfrage zur Vorbereitung der Bischofssynode beteiligen können. Es ist dies eine weitere neue Form des Papstes mit allen Gläubigen in Kontakt zu kommen und ihre Meinung zu hören/lesen.


5.1.2017
Das Jahr 2017 hat begonnen und es werden viele Erwartungen an andere Menschen geweckt und oftmals werden diese sogar als Forderungen und Bedingungen hingestellt, die selbstverständlich sein sollen.
Am meisten erstaunt mich dies, wenn es in unserem Bistum Chur um die Erwartungshaltung geht für die Bischofsnachfolge. Es werden Bereiche formuliert, die - wenn man sie zusammen nimmt - einen Übermenschen erfordern. Doch entscheidend ist vielmehr einen Bischof zu erhalten, der ein Hirte ist und für seine ihm anvertraute Gemeinschaft da ist. Und hierzu braucht er die Unterstützung aller. Und so hoffe ich sehr, dass beim ganzen Auswahlverfahren nicht die Eigeninteressen im Vordergrund stehen, sondern das Gemeinwohl und dann dem neuen Bischof auch eine Chance gegeben wird und er nicht schon in den ersten Tagen von welchen Erwartungshaltungen und Messlasten schon belastet wird. Ich wünsche ihm die Unterstützung und das Getragensein durch das ganze Bistum.
Und wenn wir den Blick öffnen für die grosse Weltkirche, erhoffe ich mir auch für den Papst und sein Leitungsgremium den Mut und die Kraft den Weg weiter zu gehen und den Ansatz sich immer vor Augen zu halten, den Gott mit uns Menschen gepflegt hat und pflegt und wir an Weihnachten immer feiern: Macht es wie Gott und werdet Mensch. Den Menschen als Geliebten Gottes im Blickfeld zu haben, den Menschen in seiner Bedürftigkeit und Unvollkommenheit, aber auch in seiner Grossartigkeit als Geschöpf Gottes.
Als ein Geschöpf Gottes sollen wir alle in der Welt wirken und sich dabei auch einsetzen für die christlichen Werte und Menschenrechte in dieser Welt und sie nicht einfach nur einfordern - selber einen Beitrag geben und voranzugehen.
Ja, ich wünsche mir von uns Gläubigen und unserer Glaubensgemeinschaft, genannt Kirche, wieder ein Voranschreiten und Vorausgehen mit dem Stehen zu den Werten und Idealen und ein sich dafür einsetzen.
Autor: Kurt Vogt     Bereitgestellt: 30.09.2017    
aktualisiert mit kirchenweb.ch