"Der Engel" - Aufführung des Theaterwerkes von Silja Walter

"Der Engel" - Aufführung des Theaterwerkes von Silja Walter
So. 15.03.2020, 17.00 bis 19.00 Uhr
Pfarreizentrum, Uitikonerstrasse 39, 8952 Schlieren
Ein besonderes Werk der im Januar 2011 verstorbenen Autorin Silja Walter. Es entstand im Jahr 1993 in enger Zusammenarbeit mit dem Regisseur und Theaterleiter André Revelly und dem Ensemble des THEATER 58.

Was ist ein Engel? Was ist ein Mensch? Ueber diese Fragen soll das Publikum nachdenken. Was würde ein Engel tun, käme er gerade jetzt, in unserer von vielen Kriegen und von Flüchtlingselend geprägten Welt zur Erde? Hätte der Erzengel Rafael, im Alten Testament geschildert als gottgesandter Reisebegleiter, die Rolle eines Flüchtlingshelfers einer Asylantenfamilie, könnte sich dann eine alte Geschichte ganz neu entrollen? Sie kann es.

Silja Walter spricht in „Der Engel“ drei Themen an: Die Flüchtlingsthematik, die Silja Walter besonders bewegte, den Engel Rafael, der Mensch werden will, und die heute immer mehr an Bedeutung gewinnende Esoterik. Sie versteht es, in Bildern, mit ihrer einzigartigen und wortgewaltigen Sprache und gewagten Einfällen die drei Themen miteinander zu verbinden und zu durchdringen. Ihr Einfallsreichtum kennt dabei keine Grenzen: von zart und lyrisch bis zu sprengend und radikal. Silja Walter: „Wenn ich von meiner spirituellen Erfahrung spreche, kann ich das nur in einer Art von Verrücktheit tun“. In Silja Walters Werk müssen die im Menschen angelegten Kräfte Gut und Böse, Hell und Dunkel, Himmel und Hölle durchlebt und erfahren werden. So erfahren die Flüchtlinge den Ausländerhass und den Ruf „Ausländer raus!“ hautnah. Im Zentrum steht der Engel als Helfer. Er scheitert, weil er anders ist. Der Kampf von Rafael mit dem Engel ist bei Silja Walter zentral. Rafael will auf seine Engelskräfte verzichten, will Mensch werden und das Menschsein in allen Höhen und Tiefen durchleben. Erst als Mensch kann er sein wie die Flüchtlinge: Ohne Heimat, verstossen, ständig in Angst vor Fremdenhass und Ausländer-Raus. Das ist der Kern des Stückes: Nicht die spirituelle Hilfe zählt, sondern einzig die reale Hilfe von Mensch zu Mensch: miterleben, mitdenken, in Glück und Leid.

Silja Walter greift in ihrem mutigen und aktuellen Werk viele Probleme unseres Alltags und den Umgang mit Flüchtlingen und Asylanten auf, bleibt aber nicht in Destruktion, Hilflosigkeit und Apathie stecken, sondern versucht neue Wege aufzuzeigen, Wege der Menschwerdung des Menschen.

Die Aufführung soll weder dokumentarisch noch analytisch das Flüchtlingsthema behandeln. Bei Silja Walter spielt die Intuition eine tragende Rolle. Ihre Bilder werden zu Seelenbildern. Sie zeigt das „Dahinter“, in Bildern, Bewegung, Musik, wortgewaltig und oft in Brüchen und unerwarteten Einfällen. Wie erlebt der Mensch die Energie des Engels? Wie erlebt der Engel, der von den Menschen zu weit weg ist, deren Leid und Ausgestossensein? Der Engel kämpft um das „Heraus“ und wird Mensch und Flüchtling, ohne Heimat. Ein Ausgestossener wie die Flüchtlinge in einem fremden Land. Das Thema von Silja Walters Werk ist die Schau, „Himmel und Erde sind als Ganzes gedacht“. Die Aufführung ist ein Versuch, diesem Anspruch gerecht zu werden.

Zielpublikum
Wir richten uns an Gläubige, Ungläubige, an Neugierige, Suchende, Fragende, an Menschen, die helfen wollen, auch an solche, die Ausländer ablehnen und zurückschicken wollen. Und vor allem an Menschen, die sich engagieren und Verantwortung für sich und andere übernehmen wollen. Die Zuschauer sollen in die Geschichte hineingeführt werden, als ob es ihre eigene Geschichte wäre. Die vier Flüchtlinge sind sie, der Engel, der Mensch werden will, sind sie. Der Zuschauer wird mit deren Fragen und Problemen konfrontiert, soll selber eine Antwort finden, Stellung beziehen.

„Der Engel“ soll kein abgehobenes, weltfremdes Theater sein, sondern jeden etwas angehen.
aktualisiert mit kirchenweb.ch